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Analoge Fotografie - Vorzüge und Nachteile

Praxis > Analog
vintage lenses
Lohnt es sich beim Fotografieren einen Schritt zurück zu gehen und auf analogen Workflow mit Film, Analogkamera und Vergrößerer umzusteigen? Die Antwort darauf ist nicht ganz einfach. Am ehesten würde ich sagen: es kommt darauf an, wie und was sie fotografieren wollen!
Dieser Beitrag will keinesfalls als hinreichende Antwort auf die oben gestellte Frage verstanden werden, sondern versteht sich eher als Entscheidungshilfe. Vielleicht will man ja auch beide Varianten der Fotografie probieren und praktizieren.

Was braucht man für analoge Fotografie?

  • Auf jeden Fall eine gute Kamera, die sich zum Arbeiten mit Film eignet.
  • Filmmaterial zur Aufnahme in Form von Farbdia-, Farbnegativ- oder Schwarzweißfilm
  • Falls Filme selbst entwickelt werden sollen braucht man Entwicklungsdosen, Mensuren, Filmklammern und anders Zubehör

Beim Negativ / Positiv Verfahren in der Dunkelkammer

  • Zur Film- und Bildentwicklung einen Raum, der sich komplett verdunkeln läßt (Dunkelkammer)
  • Entwicklungschemikalien für Schwarzweiß oder Farbe bzw. beides (für Film und Fotopapier)
  • Entwicklungsschalen, Zangen, Plastikbehälter und ein Dunkelkammerlicht (bei Schwarzweißfotografie in Schalen)
  • Farbfotografen benötigen eine Enwicklungsmaschine (Trommel- oder Walzengerät)
  • Nicht zuletzt einen brauchbaren Vergrößerungsapparat mit einem guten Objektiv (für Farbfotografie mit Filtern ausgestattet)

Da der Markt für analoge Fotogerätschaften in den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten stark zurückgegangen ist kommen wahrscheinlich in erster Linie Gebrauchtgeräte in Frage. Analog zu den Sensorgrößen bei den Digitalkameras gibt es auch hier verschiedene Filmformate. Am gebräuchlichsten ist der Kleinbildfilm, der in lichtdichten Patronen geliefert wird. Entsprechend wird für diesen Film eine 35mm Kleinbildfilmkamera benötigt.

Es gibt sowohl Modelle mit automatischer Fokussierung und diversen Belichtungsautomatiken, als auch Kameras mit manueller Einstellmöglichkeit von Blende und Belichtungszeit. Die zuletztgenannte benötigt im Regelfall einen zusätzlichen externen Belichtungsmesser. Manche dieser Kameramodelle enthalten auch einen einfachen Belichtungsmesser in Form einer Lichtwaage im Sucher. Auf eine korrekte Einstellung der Filmempfindlichkeit muß vor dem Gebrauch in jedem Fall geachtet werden, sonst drohen Fehlbelichtungen.

Eventuell kommt auch eine analoge Mittelformatkamera in Frage, die aber meist größer und schwerer ist. Diese Kameragattung liefert in der Regel eine bessere Bildqualität als ihre 35mm Kontrahenden ab, vorausgesetzt die verwendeten Aufnahmeobjektive sind hochwertig! Filme für Mittelformatkameras werden als Rollfilme ausgeliefert, mit einer Breite von 6cm. Entsprechend belichten diese Kameras entweder im Format 4,5x6, 6x6 und 6x9. Allerdings gibt es hier auch einige weniger gebräuchliche exotische Formate. Zu beachten ist auch, daß zum Vergrößern von Mittelformatnegativen teurere und wohl auch schwerere Geräte als bei Kleinbild benötigt werden.

Das Filmmaterial für Kleinbildkameras ist, bezogen auf eine bestimmte Filmsorte, preiswerter und günstiger als bei Mittelformat, weil die Fläche des zu belichtenden Filmareals geringer ist. Die Filme werden in Patronen geliefert, die einen etwas besseren Schutz gegen Feuchtigkeit und mechanische Belastungen alls Rollfilm bieten. Daneben gibt es auch noch Kameras mit noch größeren Filmformaten, die allerdings in erster Linie für die Studiofotografie gedacht sind.

Wer sich auf Schwarzweißfotografie beschränken will, was besonders für den Anfang eine gute Idee ist, kommt bereits mit einem kleineren Budget zu seinen Meisterwerken. Schwarzweißfotografie liefert, insbesonders bei Verwendung von schwerem Barytpapier einen einzigartigen Ton- und Detailreichtum und eine besonders edle Optik, mit der die heutigen Papiere der Tintenstrahler kaum konkurrieren können.

Vergrößerer projizieren den entwickelten Film auf Fotopapier. Es gibt alle erdenklichen Modelle auf dem Neu- oder Gebrauchtmarkt. Achten sie vor allem auf ein gutes Objektiv. Das beste Aufnahmeobjektiv nützt nichts, wenn die Qualität des Vergrößerungsobjektives schlecht ist. Wie die Aufnahmeobjektive unterscheiden sich die verschiedenen Typen vor allem durch die mehr oder weniger perfekte Korrektur gängiger Abbildungsfehler wie Randunschärfen und Vignettierungen.


Zum Abschluß dieses Beitrags möchte ich noch einige Aspekte des Für und Wieder von analoger Fotografie,  besonders in Bezug auf heutige digitale Verfahren aufzählen:

Positive Aspekte

  • Entschleunigung durch viele manuelle handwerkliche Vorgänge, die nur bedingt durch Automatiken ersetzbar sind
  • Stärkere Einflußmöglichkeiten auf den bildnerisch - technischen Gesamtprozeß und damit auch auf das Ergebnis
  • Einzigartige Bildwirkung in Schwarzweiß, richtige Belichtung und Verarbeitung des Materials vorausgesezt
  • Negative und Baryt-Schwarzweißpapiere sind sehr haltbar und sehr lange Zeit archivierbar
  • Kein Bild- und Datenverlust durch defekte Datenträger und Computerviren zu fürchten
  • Höhere Authentizität des Bildes (Bildmanipulationen am Negativ oder Dia erheblich schwerer)   
  • Großer Markt mit hochwertigen Gebrauchtgeräten
  • Große und helle Sucher bereits bei günstigen Kameras

Negative Aspekte

  • Filmmaterial, Chemikalien und Papiere müssen extra dazugekauft werden (z.T. erhebliche Zusatzkosten)
  • Empfindlichkeit des Filmmaterials für Röntgenstrahlen auf Flughäfen (je nach Land und Gerät unterschiedliche Strahlendosis)
  • In bestimmten Aufnahmesituationen zu langsam und umständlich
  • Verwendete Chemikalien sind z.T. giftig bzw. bei falscher Anwendung gesundheitsschädlich
  • Trotz spezieller Vorkehrungen ein ständiger Kampf gegen Staubpartikel auf Filmmaterial und Belichtungsgeräten
  • Hoher Wasserverbrauch in der Dunkelkammer
  • Chemikalien müssen speziell entsorgt werden
  • Digitalisierung für Web und Computer arbeitsaufwändig, umständlich und oft teuer
  • Für Digitalisierung ist ein Scanner erforderlich (besonders für Mittelformat teuer)


 


 
Hinweis: Der gesamte Text wiederspiegelt die persönliche Meinung des Autors wieder.
Für die Richtigkeit der an dieser Stelle getroffenen Aussagen und Angaben wird keine Gewähr und Haftung übernommen!
(c) 2019 by Werner Schön, Dornbirn, Austria
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