Analoge Fotografie am Beispiel Mamiya 645 - WebSite von Werner Schön

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Analoge Fotografie am Beispiel Mamiya 645

Praxis > Analog
vintage camera mamiya
Am Beispiel einer einstmals sehr verbreiteten einäugigen Spiegelreflexkamera für Rollfilm stellen wir hier exemplarisch den Umgang mit einer analogen Mittelformatkamera vor. Die Arbeit mit diesen Kameras erfordert Zeit, Disziplin, Sorgfalt und Geduld. Wer als Einsteiger die Grundregeln des analogen Fotografierens beachtet und sich genügend Zeit nimmt wird nach einiger Einarbeitungszeit mit sorgfältig komponierten Aufnahmen auf Film belohnt. Besonders für Schwarzweißfotografen kann sich dieser Aufwand auszahlen!
Eines gleich vorweg: Digital- und Smartphonefotografen müssen sich fundamental umstellen !

Das betrifft vor allem folgende Bereiche:

  • Es gibt, zumindest bei der hier vorgestellten Variante, keine Automatiken
  • Die Belichtungsmessung erfolgt manuell, mit einem externen Belichtungsmesser
  • Das Sucherbild wird auf analoge Weise in einem Lichtschachtsucher erstellt und ist seitenverkehrt. Zur genauen Scharfstellung kann eine Sucherlupe hochgeklappt werden
  • Objektive werden ausschließlich manuell scharfgestellt
  • Suchersystem und Einstellscheiben sind wechselbar
  • Zur Verwendung des 120er Rollfilms gibt es eigene, wechselbare Einsätze
  • Nach 16 Aufnahmen muß der Film ausgetauscht werden
  • Der Filmtransport erfolgt manuell, mittels ausklappbarer Kurbel
  • Für das Verschlusssystem ist eine Silberoxydbatterie PX-28 erforderlich
  • Wegen drohender Verwackelungsgefahr in lichtarmen Situationen muss häufig ein Stativ / Drahtauslöser benutzt werden

Wie man sieht, hat dieses Prozedere nicht mehr viel mit der typischen Arbeitsweise mit heutigen Digitalkameras gemeinsam. Manuelle Spiegelreflexkameras dieses Typs eignen sich daher vor allem für Landschafts- und Porträtfotografen, die mit viel Bedacht und Konzentration auf das Objekt arbeiten möchten. Wirklich sinnvoll ist das Ganze allerdings nur, wenn die Bildherstellung anschließend in der eigenen Dunkelkammer erfolgt. Großartige Bildwirkungen auf Barytpapieren, in Ausstellungsqualität, können erzielt werden. Voraussetzung dafür ist allerdings das nötige Knowhow in Laborarbeit, das einiges an Übung erfordert. Wie bereits deutlich wird erinnert das Ganze eher an einen künstlerisch-handwerklich kreativen Schaffensprozess als an herkömmliches Fotografieren mit aktuellen Digitalkameras.

Der Ablauf beim Fotografieren ist wie folgt:

  • Falls nicht bereits geschehen, den 120er Rollfilm auf den Rollfilmeinsatz geben und in die Kamera einlegen
  • Je nach den vorhandenen Lichtverhältnissen Montage der Kamera auf ein Stativ und eventuelles Aufschrauben eines Drahtauslösers
  • Messung des Lichtwertes für das gewünschte Motiv mit einem manuellen Belichtungsmesser (Filmempfindlichkeit beachten)
  • Aufklappen des Sucherschachtes
  • Auswahl einer passenden Zeit / Blendenkombination für die beabsichtigte Aufnahme
  • Übertragen dieser Einstellung mittels Blendenring am Objektiv und Einstellrad für die Belichtungszeit am Kameragehäuse
  • Manuelles Scharfstellen, ggf. Sucherlupe benutzen
  • Auslösen
  • Für nachfolgende Aufnahmen Transportkurbel drehen

Um die Gefahr von Fehlbelichtungen zu minimieren sollten bei kritischen Lichtsituationen (Gegenlicht, besonders helle oder dunkle Motive) eventuell mehrere Aufnahmen, mit variierenden Blendenstufen, gemacht werden. Porträtfotografen sollten nach Möglichkeit ihres Belichtungsmessers eher mit Lichtmessung, direkt am bildwichtigen Objekt, als mit Objektmessung arbeiten. Systembedingt ist hier die Gefahr einer Fehlbelichtung durch von der Norm abweichenden Objekthelligkeiten geringer.

Noch ein Tip für diesmal: Benutzen sie das kleine Klemmfach auf der Kamerarückseite zum Markieren des aktuell verwendeten Films. Der quadratische Papierdeckel der Filmschachtel paßt direkt hinein. So wissen sie auch nach längeren kreativen Schaffenspausen noch welcher Film sich gerade in der Kamera befindet !  

Hinweis: Der gesamte Text wiederspiegelt die persönliche Meinung des Autors wieder.
Für die Richtigkeit der an dieser Stelle getroffenen Aussagen und Angaben wird keine Gewähr und Haftung übernommen!
(c) 2019 by Werner Schön, Dornbirn, Austria
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